Verschluss oder Blutung
In etwa vier von fünf Fällen verstopft ein Gerinnsel eine Hirnarterie, seltener platzt ein Gefäß. Beide Formen unterbrechen die Sauerstoffversorgung, deshalb geht in den betroffenen Bereichen Funktion verloren.
Vorschau – noch nicht öffentlich.
Zum Inhalt springenEin Schlaganfall entsteht, wenn ein Gefäß im Gehirn verstopft oder platzt und Hirngewebe nicht mehr versorgt wird. Je nach betroffener Region bleiben danach Lähmung, Gefühlsstörung, Sprach-, Schluck- oder Aufmerksamkeitsstörungen zurück.
Nach Klinik und Reha beginnt der längste Abschnitt: die ambulante Weiterbehandlung. Was in dieser Phase geübt wird, entscheidet mit darüber, wie viel Selbstständigkeit im Alltag zurückkehrt.
Die Forschung ist an einem Punkt sehr deutlich: Es kommt weniger auf die Therapieschule an als auf Menge, Alltagsbezug und Wiederholung. Geübt wird das, was im Leben gebraucht wird, und zwar oft.

Wichtig: Bei Verdacht auf einen akuten Schlaganfall zählt jede Minute: plötzliche Lähmung oder Taubheit einer Körperseite, hängender Mundwinkel, plötzliche Sprach- oder Sehstörung, heftigster Kopfschmerz oder plötzlicher Schwindel mit Gangunsicherheit. Rufen Sie sofort den Notruf 112 und warten Sie nicht ab, auch wenn die Zeichen wieder verschwinden. Diese Seite behandelt ausschließlich die Zeit nach der akuten Behandlung.
In etwa vier von fünf Fällen verstopft ein Gerinnsel eine Hirnarterie, seltener platzt ein Gefäß. Beide Formen unterbrechen die Sauerstoffversorgung, deshalb geht in den betroffenen Bereichen Funktion verloren.
Das Gehirn kann Aufgaben umverteilen und Verbindungen neu bahnen. Diese Fähigkeit ist in den ersten Monaten am größten, bleibt aber lebenslang erhalten. Sie wird durch gezieltes, wiederholtes Üben angestoßen, nicht durch Abwarten.
Verbesserungen zeigen sich weitgehend dort, wo trainiert wurde. Wer Greifen üben will, muss greifen; wer Treppen steigen will, muss Treppen steigen. Allgemeine Übungen übertragen sich nur begrenzt auf den Alltag.
Ausmaß und Ort der Schädigung geben den Rahmen vor. Darüber hinaus wirken Begleiterkrankungen, Schmerz, Erschöpfung, Stimmung, die Unterstützung durch Angehörige und die Frage, wie viel im Alltag tatsächlich selbst getan wird.
Die Risikofaktoren für einen erneuten Schlaganfall bleiben nach dem ersten Ereignis bestehen: Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Diabetes, Fettstoffwechselstörung, Rauchen und Bewegungsmangel. Die medikamentöse Vorbeugung und die Kontrolle dieser Faktoren gehören in ärztliche Hand und laufen parallel zu jeder Therapie weiter.
Nutzen Sie die betroffene Hand, wo immer es geht: beim Festhalten des Tellers, beim Öffnen der Flasche, beim Anziehen. Jede Wiederholung im echten Alltag zählt mehr als eine zusätzliche Übung am Tisch.
Mehrere kurze Einheiten über den Tag verteilt sind besser als eine lange. Legen Sie das Übungsmaterial dorthin, wo Sie ohnehin sitzen, und koppeln Sie das Üben an feste Zeiten, etwa nach den Mahlzeiten.
Regelmäßiges Gehen, ein Ergometer oder angeleitetes Ausdauertraining verbessern Kondition, Gleichgewicht und Gehstrecke. Beginnen Sie mit kurzen Einheiten und steigern Sie die Dauer vor der Geschwindigkeit.
Angehörige helfen am meisten, wenn sie in kurzen Sätzen sprechen, eine Frage nach der anderen stellen, Zeit zum Antworten lassen und nicht vorschnell ergänzen. Schrift, Bilder und Gesten sind erlaubte Hilfsmittel, kein Rückschritt.
Aufrecht sitzen, kleine Bissen, keine Ablenkung, nach dem Essen 20 bis 30 Minuten aufrecht bleiben und den Mund gründlich pflegen. Husten beim Essen, feuchte Stimme oder wiederholte Lungenentzündungen gehören abgeklärt.
Ein gelähmter Arm wird leicht am Handgelenk gezogen, was die Schulter schädigen kann. Führen Sie den Arm immer nah am Körper, unterstützen Sie ihn beim Sitzen und Liegen und melden Sie neu auftretende Schulterschmerzen.
Anhaltende Niedergeschlagenheit und ausgeprägte Erschöpfung sind häufige Folgen und behandelbar. Sie sind kein Charakterproblem. Sprechen Sie sie ärztlich an, statt sie auszuhalten.
Welche Bausteine bei Schlaganfall grundsätzlich eingesetzt werden, unabhängig vom Anbieter. Was davon im Therapiezentrum Wildnauer angeboten wird, steht im nächsten Abschnitt.
Der bestbelegte Grundsatz der Nachsorge: alltagsnahe Aufgaben oft wiederholen. Mehr Übungszeit bringt mehr Ergebnis, und der Nutzen zeigt sich vor allem in genau den Fähigkeiten, die trainiert wurden.
Gangschulung, Gleichgewichtstraining, Kraftaufbau und Ausdauer verbessern Mobilität und Sicherheit. Welche Therapieschule dabei zugrunde liegt, ist nach der Studienlage weniger entscheidend als Inhalt und Umfang.
Training von Alltagsaktivitäten wie Anziehen, Körperpflege und Haushalt, dazu Arm- und Handfunktion, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit. Auch die Anpassung von Wohnung und Hilfsmitteln gehört dazu.
Bei Aphasie, Dysarthrie und Sprechapraxie wird die Kommunikation wiederaufgebaut, bei Schluckstörung werden Schlucktechniken, Kostanpassung und Sicherheit beim Essen erarbeitet. Intensivere Therapie zeigt dabei bessere Ergebnisse.
Elektrostimulation, Spiegeltherapie, Laufbandtraining mit Unterstützung und robotergestützte Verfahren werden ergänzend eingesetzt. Sie ersetzen das eigene aktive Üben nicht, sondern sollen es ermöglichen und erhöhen.
Sekundärprophylaxe mit Medikamenten, Behandlung von Spastik, Schmerz, Depression und Epilepsie sowie die Verordnung von Heilmitteln und Hilfsmitteln laufen ärztlich weiter und bilden den Rahmen der Therapie.
Alle drei Fachbereiche arbeiten an beiden Standorten unter einem Dach, sodass Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie aufeinander abgestimmt werden können. Alle Leistungen sind Heilmittel und werden ärztlich verordnet. Für Ergotherapie und Logopädie führen wir eine Warteliste: Tragen Sie sich direkt auf der jeweiligen Seite ein, dann melden wir uns, sobald ein Platz frei wird.
Was die Forschung zu Schlaganfall und Apoplex sagt. Jede Aussage mit Quelle, jeder Link geprüft (Stand 22.09.2026).
Eine Auswertung von 467 randomisierten Studien mit über 25.000 Teilnehmenden fand starke Belege für 13 Maßnahmen zum Gehen, 11 zur Arm- und Handfunktion und 3 zur körperlichen Fitness. Am deutlichsten war der Befund, dass eine höhere Übungsmenge bessere Ergebnisse bringt und dass intensives, aufgabenbezogenes Training in allen Phasen nach dem Schlaganfall im Vordergrund stehen sollte. Die Effekte beschränken sich im Wesentlichen auf die tatsächlich trainierten Funktionen.
Veerbeek JM et al. (2014): What is the evidence for physical therapy poststroke? A systematic review and meta-analysis. PLoS ONE 9(2):e87987. DOI 10.1371/journal.pone.0087987 · PubMed
Eine Metaanalyse von 20 Studien mit 2.686 Betroffenen zeigt, dass zusätzliche Therapiezeit die Selbstständigkeit im Alltag verbessert. Damit ein Unterschied messbar wird, braucht es jedoch mindestens 16 Stunden zusätzliche Therapie innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Schlaganfall. Auch Gehgeschwindigkeit und erweiterte Alltagsfähigkeiten profitierten.
Kwakkel G et al. (2004): Effects of augmented exercise therapy time after stroke: a meta-analysis. Stroke 35(11). DOI 10.1161/01.STR.0000143153.76460.7d · PubMed
Der Cochrane-Review über 96 Studien mit 10.401 Teilnehmenden belegt, dass physiotherapeutische Behandlung die Erholung von Funktion und Mobilität verbessert und dass der Effekt über das Therapieende hinaus anhält. Keine der benannten Therapieschulen erwies sich dabei als wirksamer als eine andere. Die Autorinnen und Autoren empfehlen deshalb, sich nicht auf eine Schule festzulegen, sondern klar beschriebene, belegte Bausteine zu kombinieren.
Pollock A et al. (2014): Physical rehabilitation approaches for the recovery of function and mobility following stroke. Cochrane Database of Systematic Reviews 4. DOI 10.1002/14651858.CD001920.pub3 · PubMed
In 33 Studien mit 1.853 Teilnehmenden verbesserte das wiederholte Üben alltagsnaher Aufgaben Arm- und Handfunktion sowie Funktionen des Beins. Die Gehstrecke nahm im Mittel um knapp 35 Meter zu. Die Verbesserungen hielten bis zu sechs Monate nach Therapieende an.
French B et al. (2016): Repetitive task training for improving functional ability after stroke. Cochrane Database of Systematic Reviews 11. DOI 10.1002/14651858.CD006073.pub3 · PubMed
Der Cochrane-Review zur Ergotherapie wertete neun Studien mit 994 Teilnehmenden aus. Ergotherapie, die gezielt auf Alltagsaktivitäten ausgerichtet ist, verbesserte die Alltagsfähigkeiten und senkte das Risiko, sich darin zu verschlechtern oder abhängig zu werden. Auch bei erweiterten Alltagstätigkeiten waren die Behandelten selbstständiger. Die Sicherheit der Belege wird als niedrig eingestuft.
Legg LA et al. (2017): Occupational therapy for adults with problems in activities of daily living after stroke. Cochrane Database of Systematic Reviews 7. DOI 10.1002/14651858.CD003585.pub3 · PubMed
Aus 57 randomisierten Studien mit 3.002 Teilnehmenden ergibt sich, dass logopädische Therapie bei Aphasie nach Schlaganfall die alltagstaugliche Kommunikation, das Lesen, das Schreiben und die Sprachproduktion verbessert. Eine höhere Intensität und eine größere Gesamtmenge an Therapie führten zu besseren Ergebnissen, allerdings brachen in diesen Gruppen auch mehr Teilnehmende ab. Sehr intensive Therapie ist damit nicht für alle geeignet.
Brady MC, Kelly H, Godwin J, Enderby P, Campbell P (2016): Speech and language therapy for aphasia following stroke. Cochrane Database of Systematic Reviews 6. DOI 10.1002/14651858.CD000425.pub4 · PubMed
Der Cochrane-Review zur Schlucktherapie umfasst 41 Studien mit 2.660 Teilnehmenden. Die Behandlung verringerte den Anteil der Betroffenen mit fortbestehender Schluckstörung, verkürzte den Krankenhausaufenthalt und senkte die Rate an Lungenentzündungen; auf Sterblichkeit und Pflegebedürftigkeit hatte sie keinen nachweisbaren Einfluss. Die Sicherheit der Belege schwankt zwischen sehr niedrig und mittel.
Bath PM, Lee HS, Everton LF (2018): Swallowing therapy for dysphagia in acute and subacute stroke. Cochrane Database of Systematic Reviews 10. DOI 10.1002/14651858.CD000323.pub3 · PubMed
Die Studienlage beschreibt Gruppen, nicht den Einzelfall. Wie viel Funktion zurückkehrt, hängt von Ort und Ausmaß der Schädigung, Begleiterkrankungen und der Zeit seit dem Ereignis ab und lässt sich nicht vorhersagen. Ein Teil der Belege stammt aus der frühen Phase nach dem Schlaganfall und ist nicht ungeprüft auf Jahre danach übertragbar. Ein Behandlungsergebnis wird nicht garantiert.
Die größten Fortschritte fallen meist in die ersten Wochen und Monate, deshalb setzen viele Studien dort an. Verbesserungen sind aber auch später möglich, wenn gezielt und ausreichend oft geübt wird. Die frühere Vorstellung, nach einem Jahr sei das Ergebnis festgeschrieben, gilt heute als überholt.
Mehr Übungszeit bringt nachweislich mehr Ergebnis. Eine Metaanalyse fand, dass es mindestens 16 Stunden zusätzliche Therapie in den ersten sechs Monaten braucht, damit ein Unterschied in der Selbstständigkeit messbar wird. Weil die verordneten Einheiten das selten abdecken, ist das eigene Üben zwischen den Terminen kein Beiwerk, sondern der größere Teil.
Nach der bisherigen Studienlage nicht. Der Cochrane-Review fand keine Therapieschule, die den anderen überlegen wäre, und empfiehlt, belegte Bausteine zu kombinieren statt einer Schule zu folgen. Entscheidend sind Menge, Alltagsbezug und Wiederholung. Wir arbeiten mit Bobath und PNF und richten die Inhalte an Ihren Alltagszielen aus.
Gelegenheiten schaffen statt abnehmen. Wer alles abnimmt, nimmt auch die Übung weg. Hilfreich sind: die betroffene Hand in Alltagshandlungen einbinden, beim Sprechen Zeit lassen und in kurzen Sätzen antworten, beim Essen auf aufrechtes Sitzen achten, gemeinsam spazieren gehen und auf die eigene Belastungsgrenze achten.
Das ist typisch für eine Aphasie, eine Sprachstörung nach Schädigung der sprachverarbeitenden Hirnregionen. Sie betrifft die Sprache, nicht den Verstand. Logopädische Therapie verbessert nachweislich die alltagstaugliche Verständigung, das Lesen und das Schreiben. Behandeln Sie Ihr Gegenüber als erwachsene Person und sprechen Sie nicht lauter, sondern langsamer und in kürzeren Sätzen.
Sie wird oft unterschätzt. Gelangen Nahrung oder Flüssigkeit in die Atemwege, drohen Lungenentzündungen, dazu Mangelernährung und Austrocknung. In Studien senkte die Schlucktherapie die Rate an Lungenentzündungen und verkürzte den Krankenhausaufenthalt. Husten beim Essen, feuchte Stimme und wiederholte Infekte gehören deshalb immer abgeklärt.
Ja, Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie sind eigenständige Heilmittel und werden getrennt verordnet. Sie können aber parallel laufen und bei uns an einem Ort stattfinden. Für Ergotherapie und Logopädie tragen Sie sich am besten gleich in die Warteliste auf der jeweiligen Seite ein, auch wenn die Verordnung noch nicht vorliegt.
Zwei Praxen, ein Team: in Oberschleißheim und in München.
Bruckmannring 6, 85764 Oberschleißheim
Stösserstraße 14, 80933 München