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Ratgeber · Lipödem und Lymphödem

Lipödem und Lymphödem: Unterschiede und Behandlung in Oberschleißheim & München

Stand: 22.09.2026 · Lesezeit etwa 9 Minuten · Fachlich geprüft

Kurz erklärt

Lipödem und Lymphödem werden oft verwechselt, sind aber zwei verschiedene Erkrankungen. Beim Lipödem vermehrt sich das Unterhautfettgewebe symmetrisch an Beinen und häufig auch Armen, es schmerzt bei Druck und neigt zu blauen Flecken. Beim Lymphödem staut sich Lymphflüssigkeit, meist einseitig, und die Schwellung beginnt typischerweise an Fußrücken oder Handrücken.

Beide Erkrankungen sind chronisch. Sie lassen sich nicht wegoperieren im Sinne einer Heilung, aber ihr Verlauf lässt sich mit konsequenter Behandlung deutlich beeinflussen.

Der Kern der Behandlung ist die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie: Manuelle Lymphdrainage, Kompression, Bewegung und Hautpflege. Die Kompression ist dabei nicht das Beiwerk, sondern der tragende Teil.

Übung mit hochgelagerten Beinen auf dem Gymnastikball unter therapeutischer Anleitung
Woran erkenne ich das?

Symptome bei Lipödem und Lymphödem

  • Lipödem: symmetrische, seitengleiche Umfangsvermehrung an Hüften, Oberschenkeln und Unterschenkeln, oft auch an den Oberarmen; Füße und Hände bleiben schlank, an den Knöcheln entsteht eine sichtbare Stufe.
  • Lipödem: Druck- und Berührungsschmerz, Spannungsgefühl, schwere Beine gegen Abend und blaue Flecken schon nach leichten Stößen.
  • Lipödem: das Missverhältnis zwischen schlankem Oberkörper und kräftigen Beinen bleibt auch nach Gewichtsabnahme bestehen.
  • Lymphödem: meist einseitige, zunächst weiche Schwellung, die am Fußrücken oder Handrücken beginnt und sich nach oben ausbreitet; die Zehen wirken kastenförmig.
  • Lymphödem: die Haut über dem zweiten Zeh lässt sich nicht mehr in eine Falte abheben (Stemmer-Zeichen); ein Fingerdruck hinterlässt anfangs eine Delle.
  • Lymphödem: im Verlauf wird das Gewebe derber, die Haut verdickt sich, Hautfalten vertiefen sich; das Bein fühlt sich schwer und prall an.

Wichtig: Eine plötzliche, schmerzhafte einseitige Schwellung mit Rötung, Überwärmung oder Fieber gehört sofort ärztlich abgeklärt. Dahinter können eine Thrombose oder eine Wundrose (Erysipel) stecken, die rasch behandelt werden müssen. Schwellungen können außerdem von Herz, Nieren, Schilddrüse, Venen oder Medikamenten herrühren; die Einordnung erfolgt ärztlich.

Wie es dazu kommt

Ursachen

Lipödem: Veranlagung und Hormone

Das Lipödem betrifft nahezu ausschließlich Frauen und beginnt oft in Lebensphasen mit hormonellen Umstellungen, also in der Pubertät, nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Eine familiäre Häufung ist beschrieben. Die genaue Entstehung ist bis heute nicht geklärt.

Lymphödem: das Lymphsystem schafft die Last nicht

Beim primären Lymphödem sind die Lymphbahnen von Geburt an unzureichend angelegt. Das häufigere sekundäre Lymphödem entsteht, wenn Lymphknoten entfernt oder bestrahlt wurden, nach Verletzungen, Operationen, Entzündungen oder bei starker Überlastung des Systems.

Warum der Verlauf fortschreitet

Staut sich Lymphflüssigkeit über längere Zeit, wandelt sich das Gewebe um: Es entstehen Bindegewebe und Fett, das Gewebe wird derber, und der Abfluss verschlechtert sich weiter. Genau diesen Kreislauf soll die Entstauungstherapie unterbrechen.

Gewicht ist nicht die Ursache, aber ein Faktor

Weder Lipödem noch Lymphödem entstehen durch zu hohes Gewicht. Übergewicht belastet das Lymphsystem jedoch zusätzlich und verschlechtert den Verlauf, weshalb Gewichtsstabilität Teil jedes Behandlungsplans ist.

Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie die Behandlung bestimmt. Eine Diät verändert die typische Fettverteilung beim Lipödem kaum, was viele Betroffene über Jahre als persönliches Versagen erleben. Beide Erkrankungen werden häufig spät erkannt oder mit anderen Ursachen verwechselt. Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt.

Eigenverantwortung

Was Sie selbst tun können

  1. Kompression konsequent tragen

    Die Kompressionsversorgung ist der wirksamste Teil der Behandlung und wirkt nur, wenn sie getragen wird: morgens vor dem Aufstehen anlegen, abends ausziehen. Flachgestrickte, maßgefertigte Versorgung ist bei Lipödem und Lymphödem meist die richtige Wahl. Lassen Sie sie im Sanitätshaus fachgerecht anmessen und rechtzeitig erneuern.

  2. Bewegung unter Kompression

    Muskelarbeit pumpt die Lymphe. Gehen, Radfahren, Schwimmen und Krafttraining wirken entstauend, wenn die Kompression dabei getragen wird. Eine Studie mit Frauen nach Brustkrebs zeigte, dass langsam gesteigertes Krafttraining den Umfang nicht vergrößerte und sogar weniger Verschlechterungen auftraten.

  3. Wasser hilft doppelt

    Beim Schwimmen und bei Wassergymnastik wirkt der Wasserdruck von außen wie eine Kompression, während die Muskulatur arbeitet. Das Wasser sollte eher kühl als warm sein.

  4. Haut täglich pflegen

    Trockene, rissige Haut ist die Eintrittspforte für Wundrose. Waschen Sie mit pH-neutralen Produkten, cremen Sie täglich ein, achten Sie auf Pilz zwischen den Zehen und versorgen Sie kleine Wunden sorgfältig.

  5. Beine hochlegen und Hitze meiden

    Hochlagern in Pausen unterstützt den Abfluss. Lange Hitze, Sauna, heiße Bäder und intensive Sonne fördern dagegen die Schwellung.

  6. Gewicht stabil halten

    Gewichtsabnahme beseitigt das Lipödem nicht, entlastet aber das Lymphsystem und die Gelenke. Ziel ist ein stabiles Gewicht ohne Diätdruck, idealerweise mit fachlicher Begleitung.

  7. Selbstbehandlung lernen

    Einfache Griffe zur Selbstdrainage, Atemübungen zur Anregung des Abflusses im Bauchraum und das richtige Anlegen der Bandage lassen sich erlernen und tragen zwischen den Therapieterminen.

Überblick

Therapeutische Möglichkeiten

Welche Bausteine bei Lipödem und Lymphödem grundsätzlich eingesetzt werden, unabhängig vom Anbieter. Was davon im Therapiezentrum Wildnauer angeboten wird, steht im nächsten Abschnitt.

Komplexe Physikalische Entstauungstherapie

Das Standardverfahren besteht aus vier Teilen: Manuelle Lymphdrainage, Kompression durch Bandage oder Strumpf, entstauende Bewegungstherapie und Hautpflege. In der Entstauungsphase wird intensiv behandelt, in der anschließenden Erhaltungsphase wird das Ergebnis gehalten.

Manuelle Lymphdrainage

Eine sanfte Grifftechnik, die Lymphflüssigkeit über gesunde Abflusswege ableitet. Sie ist sicher und gut verträglich. In Studien zeigte sie zusätzlichen Nutzen vor allem in Verbindung mit Kompression, besonders bei leichter bis mittelschwerer Ausprägung.

Kompressionsversorgung

Bandagierung in der Entstauungsphase, danach flachgestrickte Kompressionsstrümpfe nach Maß. Die Versorgung wird ärztlich verordnet und im Sanitätshaus angepasst.

Bewegungs- und Trainingstherapie

Angeleitetes Ausdauer- und Krafttraining unter Kompression verbessert Muskelpumpe, Kraft und Belastbarkeit. Ein langsamer Aufbau ist wichtiger als hohe Intensität.

Apparative Verfahren

Ergänzend werden intermittierende pneumatische Kompression sowie Tiefenoszillation eingesetzt. Für die Tiefenoszillation zusätzlich zur Lymphdrainage gibt es eine kleine randomisierte Studie mit günstigem Ergebnis bei Schmerz und Schwellung.

Ärztliche und operative Maßnahmen

Beim Lipödem kommt in ausgewählten Fällen eine Liposuktion infrage, beim Lymphödem in spezialisierten Zentren mikrochirurgische Verfahren. Beide Entscheidungen trifft die behandelnde Ärztin oder der Arzt; die konservative Behandlung bleibt auch danach bestehen.

Therapiezentrum Wildnauer

Was wir bei Lipödem und Lymphödem konkret anbieten

Physiotherapie

  • Manuelle Lymphdrainage und Ödemtherapie
  • Tiefenoszillation mit Hivamat als ergänzende Anwendung
  • Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA-Messung) zur Bestimmung der Körperzusammensetzung
  • Medizinische Trainingstherapie (MTT) und Krankengymnastik am Gerät (KGG) zum langsamen Belastungsaufbau
  • Herz-Kreislauftraining als angeleitetes Ausdauerprogramm
  • Atemtherapie zur Unterstützung des Lymphabflusses im Rumpf
  • Anleitung zu Eigenübungen und entstauender Bewegung für zu Hause
  • Klassische Massage und Bindegewebsmassage bei begleitenden Verspannungen

Manuelle Lymphdrainage ist ein Heilmittel und wird ärztlich verordnet, in der Regel zusammen mit einer Kompressionsversorgung. Die Kompressionsstrümpfe selbst werden ärztlich verordnet und im Sanitätshaus angemessen; wir behandeln und leiten an, wir versorgen nicht mit Strümpfen. Beide Standorte bieten Manuelle Lymphdrainage an.

Belege

Studienlage

Was die Forschung zu Lipödem und Lymphödem sagt. Jede Aussage mit Quelle, jeder Link geprüft (Stand 22.09.2026).

  1. Der Cochrane-Review zur Manuellen Lymphdrainage bei Lymphödem nach Brustkrebsbehandlung fasst sechs Studien zusammen. Kompressionsbandagierung allein verringerte das Ödem um 30 bis 38,6 Prozent; die zusätzliche Lymphdrainage brachte weitere 7,1 Prozent. Der Zusatznutzen war bei leichter bis mittelschwerer Ausprägung deutlicher als bei schwerer. Die Lymphdrainage war in allen Studien gut verträglich und sicher.

    Ezzo J et al. (2015): Manual lymphatic drainage for lymphedema following breast cancer treatment. Cochrane Database of Systematic Reviews 5. DOI 10.1002/14651858.CD003475.pub2 · PubMed

  2. Eine systematische Übersicht über die Jahre 2004 bis 2011 bewertet die Komplexe Physikalische Entstauungstherapie als wirksam zur Verringerung des Lymphödems. Die Belegstärke ist nur mittelgut, weil kontrollierte Studien mit genauen Volumenmessungen fehlen und die Bausteine der Therapie meist gemeinsam untersucht wurden.

    Lasinski BB et al. (2012): A systematic review of the evidence for complete decongestive therapy in the treatment of lymphedema from 2004 to 2011. PM&R 4(8). DOI 10.1016/j.pmrj.2012.05.003 · PubMed

  3. In einer randomisierten Studie mit 141 Frauen mit stabilem Lymphödem nach Brustkrebs führte zweimal wöchentliches, langsam gesteigertes Krafttraining nicht zu mehr Schwellung. Die trainierende Gruppe berichtete geringere Beschwerden, hatte mehr Kraft und erlebte seltener eine Verschlechterung des Lymphödems (14 gegenüber 29 Prozent). Alle Teilnehmerinnen trugen dabei eine gut sitzende Kompression.

    Schmitz KH et al. (2009): Weight lifting in women with breast-cancer-related lymphedema. New England Journal of Medicine 361(7). DOI 10.1056/NEJMoa0810118 · PubMed

  4. In einer kleinen randomisierten Studie mit 21 Patientinnen mit sekundärem Lymphödem der Brust verringerte Tiefenoszillation zusätzlich zur Manuellen Lymphdrainage den Schmerz deutlich; die Abnahme der Schwellung ließ sich nur in der Behandlungsgruppe mit einem dreidimensionalen Messsystem objektiv bestätigen. Die geringe Teilnehmerzahl begrenzt die Aussagekraft.

    Jahr S, Schoppe B, Reisshauer A (2008): Effect of treatment with low-intensity and extremely low-frequency electrostatic fields (Deep Oscillation) on breast tissue and pain in patients with secondary breast lymphoedema. Journal of Rehabilitation Medicine 40(8). DOI 10.2340/16501977-0225 · PubMed

  5. Ein im Delphi-Verfahren erstellter Konsens mit 85 Empfehlungen beschreibt das Lipödem als Erkrankung des lockeren Bindegewebes und fasst medizinische, operative, gefäßbezogene und weitere Behandlungsempfehlungen zusammen. Die Empfehlungen sind nach dem GRADE-System in ihrer Stärke bewertet.

    Herbst KL et al. (2021): Standard of care for lipedema in the United States. Phlebology 36(10). DOI 10.1177/02683555211015887 · PubMed

  6. Eine Übersichtsarbeit beschreibt das Lipödem als chronische, fortschreitende Erkrankung mit schmerzhafter, unproportionaler Fettverteilung, die fast ausschließlich Frauen betrifft und häufig übersehen oder mit anderen Erkrankungen verwechselt wird. Maßnahmen zur Gewichtsabnahme verändern die abnorme Fettverteilung nur minimal und können zu Essstörungen, Depression und weiterer Belastung führen. Eine ursächliche Behandlung gibt es bislang nicht.

    Buso G et al. (2019): Lipedema: A Call to Action! Obesity 27(10). DOI 10.1002/oby.22597 · PubMed

Ein großer Teil der belastbaren Forschung stammt aus der Behandlung des Lymphödems nach Brustkrebs und lässt sich nicht ungeprüft auf jede Form des Lip- und Lymphödems übertragen. Für das Lipödem ist die Studienlage deutlich dünner als für das Lymphödem. Welche Maßnahmen für Sie sinnvoll sind, hängt von Diagnose, Stadium und Befund ab. Ein Behandlungsergebnis wird nicht garantiert.

Häufige Fragen

Fragen zu Lipödem und Lymphödem

Wie unterscheide ich Lipödem und Lymphödem?

Das Lipödem ist symmetrisch, betrifft beide Beine oder beide Arme gleich, lässt Füße und Hände frei und schmerzt bei Druck. Das Lymphödem ist meist einseitig, beginnt am Fuß- oder Handrücken und bezieht die Zehen oder Finger mit ein; es tut anfangs nicht weh, sondern spannt. Ein Hinweis ist das Stemmer-Zeichen: Lässt sich die Haut über dem zweiten Zeh nicht abheben, spricht das für ein Lymphödem. Beides kann auch gemeinsam auftreten. Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt.

Hilft Abnehmen gegen das Lipödem?

Nicht gegen die typische Fettverteilung. Studien und Leitlinien beschreiben übereinstimmend, dass Gewichtsabnahme das Lipödem nicht auflöst. Sie entlastet aber Gelenke und Lymphsystem und verbessert die Beweglichkeit. Gewichtsstabilität ist deshalb Teil der Behandlung, Diätdruck dagegen nicht.

Reicht Lymphdrainage allein aus?

Nein. Die Studien zeigen, dass die Kompression den größten Anteil an der Entstauung trägt und die Lymphdrainage einen zusätzlichen Beitrag leistet. Ohne Kompression verpufft der Effekt der Drainage innerhalb kurzer Zeit. Beides gehört zusammen, ergänzt durch Bewegung und Hautpflege.

Darf ich mit Lymphödem Sport machen und Gewichte heben?

Ja, unter Kompression und mit langsamem Aufbau. Eine große randomisierte Studie hat gezeigt, dass langsam gesteigertes Krafttraining den Umfang nicht vergrößert und sogar seltener zu Verschlechterungen führt. Die frühere Empfehlung, den betroffenen Arm zu schonen, gilt als überholt.

Wie oft brauche ich Lymphdrainage?

Das hängt vom Stadium und der Phase ab. In der Entstauungsphase wird häufig behandelt, teils täglich, in der Erhaltungsphase deutlich seltener. Die Verordnung richtet sich nach dem Heilmittelkatalog und wird ärztlich festgelegt.

Werden die Kosten übernommen?

Manuelle Lymphdrainage ist ein Heilmittel und wird mit ärztlicher Verordnung von der Krankenkasse getragen, abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung. Kompressionsstrümpfe werden gesondert verordnet und über ein Sanitätshaus abgegeben. Für das Lipödem ist die Kostenübernahme einer Liposuktion an enge Voraussetzungen gebunden und wird von der Kasse im Einzelfall entschieden.

Was ist eine Wundrose und warum wird so oft davor gewarnt?

Die Wundrose (Erysipel) ist eine bakterielle Hautinfektion, die bei gestautem Gewebe leichter entsteht und jedes Mal das Lymphsystem weiter schädigt. Zeichen sind eine scharf begrenzte Rötung, Überwärmung, Schmerz und oft Fieber. Das gehört umgehend ärztlich behandelt. Tägliche Hautpflege und die Versorgung kleiner Wunden sind deshalb keine Nebensache.

Hinweis

Dieser Text ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei starken, plötzlichen oder anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Inhalte teilweise mit KI-Unterstützung erstellt und wurden von erfahrenen Fachkräften redaktionell und fachlich geprüft (Transparenzhinweis).

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